March King versus Walzerk?nig. John Philip Sousa und die "amerikanische Gefahr"

Auf einen Blick

Datum
Uhrzeit
18 – 19:30 Uhr
Veranstaltungsort
Am Kupfergraben 5
10117 Berlin
Veranstaltungsreihe

Beschreibung

Tobias Fa?hauer (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften)
March King versus Walzerk?nig. John Philip Sousa und die "amerikanische Gefahr" in der Musik um 1900

Um 1900 verbreitete sich in Europa das Schlagwort von der ?amerikanischen Gefahr“, das sich ursprünglich auf die ?konomische Konkurrenz durch die aufstrebende Weltmacht USA bezieht, in der Folge jedoch auch im kulturkritischen Diskurs aufgegriffen wurde, wo es der Sorge vor einer Amerikanisierung der europ?ischen Kunst und Kultur im Sinne einer Vermassung, Verflachung und Ver?u?erlichung Ausdruck gab. Als Inkarnation der amerikanischen Gefahr auf musikalischem Gebiet galt manchen der Komponist und Orchesterleiter John Philip Sousa (1854–1932), der sich als ?March King“ und damit als amerikanische Antwort auf den Wiener ?Walzerk?nig“ Johann Strau? Sohn promoten lie?, und auf dessen M?rsche der neuartige und vielfach als Bedrohung des Walzers wahrgenommene Twostep getanzt wurde.

Im Antagonismus von Twostep und Walzer manifestierte sich die musikalische Konkurrenz zwischen Alter und Neuer Welt auf besonders sinnf?llige Weise, und insofern war die Walzer-Hauptstadt Wien, wo Sousa im Mai 1903 mit seinem zivilen Blasorchester gastierte, ein zentraler Schauplatz dieses transatlantischen Clashs. Der Vortrag behandelt die Wiener Sousa-Rezeption stellvertretend für die kontinaleurop?ische und geht dabei auch auf die spezifisch musikalischen Sachverhalte ein, die der Wahrnehmung eines Amerikanisch-?Anderen‘ bei Sousa zugrundeliegen.

Tobias Fa?hauer studierte Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Musiktheorie in Berlin und promovierte 2005 mit einer Arbeit über Kurt Weills Songstil. Akademische Lehrt?tigkeit in Berlin und Bogotá, wissenschaftliche Mitarbeit an der Hanns Eisler Gesamtausgabe und seit 2023 an der Bernd Alois Zimmermann-Gesamtausgabe. Ein eigenes Forschungsprojekt, gef?rdert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und durchgeführt an der Universit?t der Künste Berlin, widmete er dem Einfluss John Philip Sousas in Europa; Ergebnisse dieser Arbeit sind als Buch ver?ffentlicht: ?Hands Across the Sea“. John Philip Sousa und der musikalische Amerikanismus in Kontinentaleuropa (Bielefeld: transcript 2024).

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