Beitrag von Aileen Edele und Pauline Endres de Oliveira
Die Wissenschaftsfreiheit, die in Deutschland in der Verfassung verankert ist, schützt sowohl einzelne Forschende als auch 金贝棋牌n und andere Forschungsinstitutionen. Derzeit steht sie allerdings unter Druck und ist Gegenstand fortw?hrender Aushandlungsprozesse. Individuen und Institutionen unterliegen dabei unterschiedlichen Herausforderungen.
Ein interdisziplin?res Symposium, das wir mit Unterstützung der Berlin University Alliance ausgerichtet haben, verdeutlichte: 金贝棋牌n verdienen als wissenschaftliche Institutionen nicht nur besonderen Schutz, sondern tragen auch eine besondere Verantwortung, die Freiheit ihrer Forschenden zu verteidigen.
Angst vor negativen Folgen
Zwar bewertet laut einer repr?sentativen Umfrage die Mehrheit der Forschenden in Deutschland die Wissenschaftsfreiheit als gesichert (Fabian et. al., 2025). Allerdings berichten Forschende aus bestimmten Bereichen, dass sie Forschungsthemen aus Angst vor negativen Folgen vermeiden: Antiakademische Diskurse, pers?nliche Angriffe und Diffamierungen im analogen wie im digitalen Raum k?nnen dazu führen, dass Forschende kontroverse 金贝棋牌 oder ?ffentliche ?u?erungen meiden. Insbesondere bei stark polarisierenden 金贝棋牌 wie der Situation im Nahen Osten k?nnen solche Chilling Effects zutage treten: Laut einer aktuellen Studie zensiert sich etwa eine Mehrheit der Forschenden mit Nahostbezug selbst (Grimm et al., 2025). Auch Forschende in anderen 金贝棋牌feldern und Disziplinen, deren Inhalte politisiert sind bzw. werden, etwa den Gender Studies, den Klimawissenschaften und der Migrationsforschung, sind verst?rkt Angriffen ausgesetzt (siehe etwa die Erkl?rung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien). Die Abh?ngigkeit von Drittmitteln, aber auch befristete Besch?ftigungsverh?ltnisse, verst?rken diese Politik der Selbstzensur noch. Das ist insofern besorgniserregend, als sich dadurch Diskurse verschieben und ver?ndern k?nnen.
Wirksame Abwehrmechanismen
Einzelne Forschende k?nnen ihre Resilienz st?rken, indem sie Allianzen bilden und professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen ? sei es auf psychologischer oder rechtlicher Ebene. Organisationen wie HateAid oder SciComm bieten professionelle Unterstützung an. Bislang sind Politiken der Selbstzensur hierzulande weniger ausgepr?gt als in anderen L?ndern (vgl. Spannagel & Kinzelbach, 2023). Damit das so bleibt, müssen nicht nur einzelne Forschende, sondern vor allem auch wissenschaftliche Institutionen wirksame Abwehrmechanismen gegen Angriffe auf die Wissenschaftsfreiheit entwickeln. Wichtige Schritte hierfür sind Einordnungen und Handlungsempfehlungen für Forschende, wie der Professionsethische Leitfaden ?Wissenschaft und Meinungsfreiheit im ?ffentlichen Raum“ der Humboldt-Universit?t zu Berlin. Darüber hinaus sollten Universit?ten schlagkr?ftige Anlaufstellen einrichten, die Forschende beraten ? sei es im Fall konkreter Angriffe oder bei wahrgenommener Selbstzensur. Durch solche strukturellen Angebote k?nnen wissenschaftliche Institutionen gezielt dazu beitragen, die Freiheit der Forschung und der Forschenden wirksam zu schützen.
Prof. Dr. Aileen Edele und Prof. Dr. Pauline Endres de Oliveira sind Direktorinnen des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt-Universit?t zu Berlin
