Wie sozial-emotionale F?higkeiten von Lehrkr?ften die sozial-emotionale Entwicklung von Schüler*innen beeinflussen.
Auf einen Blick
Psychologie
Sozialwissenschaften
Projektbeschreibung
Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte haben internationale Vergleichsstudien den Druck auf die nationalen politischen Entscheidungstr?ger stark erh?ht, die Entwicklungsergebnisse von Schüler*innen zu verbessern. Zu Beginn konzentrierten sich die Bemühungen ausschlie?lich auf akademische Leistungen, aber im Laufe der Zeit hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass sozial-emotionales Lernen (SEL) mindestens ebenso wichtig für langfristige positive Lebenserfolge sind. W?hrend die evidenzbasierte Forschung die wichtigsten schulbezogenen Faktoren, die sich auf die akademischen Leistungen auswirken, aufgedeckt hat, sind die Forschungsergebnisse im Bereich SEL bisher weniger schlüssig. Die allgemeine SEL-Forschung und -Praxis konzentriert sich in erster Linie auf die Entwicklung von Interventionsprogrammen, die Unterrichtsmethoden und Rollenspiele w?hrend eines speziell für SEL vorgesehenen Unterrichts anwenden. Evaluationsstudien solcher Programme zeigen jedoch entt?uschend schwache Effekte.
Das vorliegende Forschungsprojekt geht von der Hypothese aus, dass SEL-Entwicklungsergebnisse von Schüler*innen effektiv verbessert werden k?nnen, wenn der Forschungsschwerpunkt auf sozial-emotionale F?higkeiten der Lehrkr?fte verlagert wird um qualitativ hochwertige Beziehungsklimas in Schulen zu schaffen. Theoretisch baut diese Idee auf den Ansichten des Soziologen R. Crosnoe (2011) auf, der argumentiert, dass sozial-emotionales Lernen im Kontext positiver Beziehungsklimas automatisch stattfindet. Die Ansichten von Crosnoe werden stark durch etablierte Theorien aus der P?dagogik und Bildungsforschung unterstützt, die die entscheidende Rolle qualitativ hochwertiger Beziehungen zu prim?ren Erziehungspersonen in der Entwicklung sozial-emotionaler F?higkeiten betonen.
Um die Hauptfrage der Forschung zu testen - d. h. wie sich sozial-emotionale F?higkeiten von Lehrkr?ften in sozial-emotionale Entwicklung von Schüler*innen umsetzt - wendet dieses Projekt ein l?ngsschnittliches Mixed-Methods-Design an. Es verwendet Mehrebenen-Strukturregressionsmodelle (MSRM), um Muster kausaler Beziehungsverh?ltnisse zu beschreiben, die weitaus komplexer sind als das, was in der deutschen Bildungs- und Erziehungsforschung üblich ist. Dies wird mit einem qualitativen Ansatz kombiniert, der von dem deutschen Soziologen und Psychoanalytiker Alfred Lorenzer (1986) entwickelten Tiefenhermeneutik. Sie basiert auf Erkenntnissen der Gruppentherapie und erm?glicht die Rekonstruktion von Wirkungsfaktoren in Gruppendynamiken und -beziehungen, die jenseits des Bewusstseins der direkt beteiligten Akteure liegen.
Die Durchführung dieses Forschungsprojekts ist aus zwei Gründen von entscheidender Bedeutung. Zum einen hat die Forschung über SEL in Schulen bisher trotz erheblicher Investitionen, insbesondere in den Vereinigten Staaten, keine gro?en Effekte erzielt. Wenn das vorliegende Projekt gr??ere Effekte aufdeckt, wird es die Rolle der Lehrkr?fte in Sekundarschulen als p?dagogische Bezugspersonen neu definieren. Dies würde zu wichtigen Beitr?gen in den Forschungs- und Praxisbereichen des sozial-emotionalen Lernens, der kognitiven Entwicklung, der Lehrkr?fteprofessionalisierung und der Schulentwicklung führen. Darüber hinaus ist die Konzentration auf qualitativ hochwertige Beziehungserfahrungen in der Schule in der heutigen Zeit zunehmender Nutzung sozialer Medien, eines Rückgangs enger und bedeutungsvoller Beziehungen und einer zunehmenden Spannungen zwischen selbstisolierenden ideologischen und politischen Gruppen besonders notwendig.