FOR 2265/1: Mobilisierung von Recht durch/als Kollektivierung? Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsrecht als institutionelle und politische Praxis (TP E)
Auf einen Blick
Afrika-, Amerika- und Ozeanienbezogene Wissenschaften
DFG Forschungsgruppe
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Projektbeschreibung
?Enthinderung erm?glichen“, ?Sexualit?ten diversifizieren“, ?Ethnische Vielfalt normalisieren“ – unter diesen Schlagworten untersucht das Teilprojekt in drei ethnographischen Fallstudien aus kulturanthropologischer Perspektive Prozesse der Implementierung und Mobilisierung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) in Berlin. Mit dem AGG wurden 2006 EU-Richtlinien zur langfristigen Beseitigung gesellschaftlicher Diskriminierungen in deutsches Recht umgesetzt. Auch wenn aus juristischer Perspektive die regelnde und sanktionierende Kraft des AGG als eher unzul?nglich eingesch?tzt wird, werden doch die Effekte des Gesetzes etwa in Hinblick auf gesellschaftliche Einstellungen und langfristige Ver?nderungen hervorgehoben. Doch wie wird das AGG mit Leben gefüllt: wie strukturieren normierende, alltagspraktische und politische Aspekte des Gesetzes die Praxis des AGG, wie wird es zum Alltag in der politischen wie praktischen Arbeit von NGOs, Beh?rden, Institutionen und Interessenvertretungen? Wie werden mit Hilfe des AGG gesellschaftliche Ausgrenzung und eingeschr?nkte Teilhabem?glichkeiten problematisiert und wie tr?gt es dazu bei, konkrete Ver?nderungen anzusto?en? Das Teilprojekt ist im Kontext der empirischen Rechtsforschung angesiedelt. Mit seiner dezidiert praxeologischen und geschlechtertheoretischen Zuschnitts knüpft es an rechts- und politikanthropologische Konzepte sowie sozial-/kulturanthropologische Theorien der Vergemeinschaftung mit ihren jeweiligen geschlechtertheoretischen Erweiterungen an. Es nutzt ethnographische Methoden, um im Vergleich der drei Fallstudien (1) die sozialen und (alltags-)praktischen Effekte des AGG im lokalen Raum an Schnittstellen zu anderen rechtlichen Regulierungen zu untersuchen, (2) die hierdurch angesto?enen Kollektivierungsprozessen und die Verhandlung von Individualit?t und Kollektivit?t in der Antidiskriminierungspraxis zu befragten, (3) Dimensionen der Vergeschlechtlichung in den durch das AGG angesto?enen Institutionalisierungs- und Kollektivierungsprozessen herauszuarbeiten und (4) Verschr?nkungen von rechtlicher und politischer Praxis in Hinblick auf Zugeh?rigkeit und Teilhabe an (Stadt-)Gesellschaft aufzuzeigen.
Projektleitung
01/2018 - 03/2021
Prof. Dr. Beate Binder
- Philosophische Fakult?t
- Institut für Europ?ische Ethnologie