ADAPTIV: ADaptionsziele bei PerTurbierten FrikatIVen

Auf einen Blick

Laufzeit
09/2018  – 02/2020
DFG-Fachsystematik

Sprachwissenschaften

F?rderung durch

DFG Sachbeihilfe DFG Sachbeihilfe

Projektbeschreibung

Ziel des Projekts ist die Untersuchung von Lautrepr?sentationen von SprecherInnen durch auditive Perturbation.
Lautrepr?sentationen wurden in der Literatur als entweder artikulatorisch oder akustisch gepr?gt charakterisiert. Argumente für artikulatorische Repr?sentationen wurden etwa im Sprachwandel gefunden. In der hochdeutschen Lautverschiebung beispielsweise fand ein Lautwandel statt, bei dem /t/ zu /s/ verschoben wurde. Innerhalb dieser Phase muss es eine Zeit gegeben haben, w?hrend derer die SprecherInnen /t/ und /s/ als ?dasselbe“ akzeptiert haben. Akustisch sind die beiden Laute v?llig unterschiedlich, artikulatorisch sind sie allerdings sehr ?hnlich; sie unterscheiden sich nur um einige Millimeter in der vertikalen Zungenposition. Aus Beobachtungen wie dieser wurde geschlussfolgert, dass SprecherInnen artikulatorische Lautrepr?sentationen haben, dass sie also, wenn sie sprechen, eine bestimmte artikulatorische Konfiguration anstreben. Das akustische Resultat w?re demnach zweitrangig.
Zahlreiche Untersuchungen, einschlie?lich unseren eigenen, ziehen diese Annahme aber in Zweifel. In der ersten Antragsphase haben wir russische Vokale auditiv perturbiert. Dabei produzieren die Versuchspersonen (VP) einen Laut, der akustisch manipuliert wird, und dann über Kopfh?rer in Echtzeit zurückgespielt wird. Die Manipulation bestand darin, dass der zweite Formant angehoben oder gesenkt wurde. Die VP kompensierten in unserer Studie mehrheitlich: Bei angehobenem zweiten Formanten ?nderten sie ihre Artikulation so, dass der zweite Formant gesenkt wurde. Bei abgesenktem zweiten Formanten artikulierten sie so, dass der zweite Formant angehoben wurde. Dabei nutzten die VP abh?ngig von der Richtung der Perturbation zwei artikulatorische Konfigurationen für denselben Laut. Dieses Ergebnis spricht für akustische Lautrepr?sentationen.
Das gleiche Experiment haben wir auch mit Sibilanten durchgeführt, dabei wurde der Center of gravity verschoben. Hier erhielten wir aber ein v?llig anderes Bild. Die VP adaptierten nur in eine Richtung. Unabh?ngig davon, ob nach oben oder unten verschoben wurde, adaptierten die Probandinnen und Probanden entweder in beiden F?llen mit Absenken des Center of gravity oder in beiden F?llen mit Anheben desselben.
Ziel der Forsetzungsphase ist zu untersuchen, ob die Unterschiede zwischen Konsonanten und Vokalen auf unterschiedliche Lautrepr?sentationen zurückzuführen sind. Da die Adaption von Sibilanten sehr anspruchsvoll ist, k?nnen wir uns alternativ vorstellen, dass die Probandinnen und Probanden die Adaption noch nicht beendet hatten. Eventuell haben sie unterschiedliche artikulatorische Strategien verwendet, die sich aber (durch die Vielzahl an artikulatorischen Parametern, die bei Sibilanten angepasst werden müssen) nicht in unterschiedlichen akustischen Resultaten ?u?ert. Zur Untersuchung der artikulatorischen Strategien werden wir artikulatorische Daten aufnehmen und auswerten (elektromagnetische Artikulographie).

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