In seiner Dezembersitzung hat der Vorstand der Einstein Stiftung Berlin elf neue Forschungsvorhaben mit einer Gesamtsumme von 13 Millionen Euro in den n?chsten sechs Jahren bewilligt. Die Stiftung f?rdert Prof. Dr. Kerstin Kaufmann als Einstein-Professorin und tr?gt so dazu bei, die international ausgewiesene Expertin für pflanzliche Zell- und Molekularbiologie an der Humboldt-Universit?t zu Berlin zu halten. Gef?rdert werden auch Projekte von Forschenden der Humboldt-Universit?t. Das gr??te neue F?rderprojekt ist das Einstein Center for Early Disease Interception; nach einer zweij?hrigen Vorbereitungsphase startet es nun als Verbund von zw?lf Berliner Institutionen mit dem Ziel, das zukunftsweisende Forschungsfeld der zellbasierten Pr?ventionsmedizin entscheidend voranzubringen.
F?rderung der Biologin Kerstin Kaufmann als Einstein-Professorin
In ihrer Forschung verbindet Kerstin Kaufmann modernste experimentelle und rechnergestützte Methoden und entwickelt die klassische, deskriptive Entwicklungsbiologie zu einer designorientierten Disziplin weiter. Ziel ist es, die grundlegenden Prinzipien der Pflanzenentwicklung zu entschlüsseln und Entwicklungsprozesse gezielt zu steuern, um beispielsweise Pflanzen widerstandsf?higer gegen Stress zu machen oder Ertr?ge in der Landwirtschaft zu steigern.
Im Zentrum ihres Forschungsprogramms steht die Frage, wie Zellen ihre Identit?t erwerben, aufrechterhalten und flexibel anpassen. Diese Prozesse bilden die Grundlage für die Entstehung komplexer und anpassungsf?higer Gewebe. Ein besonderer Fokus liegt auf der Symmetriebrechung und der Entstehung zellul?rer Asymmetrie in Pflanzen – entscheidenden Schritten der pflanzlichen Entwicklung
Mit ihrer Forschung verfolgt Kaufmann die Vision einer programmierbaren Pflanzenmorphogenese. Durch die Kombination molekularer Genetik, Genomik und Optogenetik untersucht sie, wie Licht-, mechanische und Signaleinflüsse genutzt werden k?nnen, um Entwicklungs- und Regenerationsprozesse gezielt zu steuern. Dies er?ffnet neue Perspektiven für die Entwicklung und Regeneration pflanzlicher Gewebe sowie die Gestaltung biologischer Systeme.
Kaufmann erkl?rt: ?Unser Ziel ist es, eine institutionenübergreifende Initiative für kontrollierbare Morphogenese in Berlin auf den Weg zu bringen und dabei biologische, biophysikalische und ingenieurwissenschaftliche Ans?tze zu integrieren. Die Unterstützung durch die Einstein Stiftung ist dabei sehr wertvoll.“
Durch etablierte Kooperationen mit dem Berliner Institut für Molekulare Systembiologie (BIMSB), dem Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie und dem Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) st?rkt Kerstin Kaufmann die Vernetzung zwischen Molekularbiologie, quantitativer Modellierung und Bioengineering.
Der Vorstandsvorsitzende der Einstein Stiftung Berlin Professor Martin Rennert betont: ?Mit Professorin Kaufmann f?rdern wir eine herausragende Wissenschaftlerin, die exzellente Grundlagenforschung mit innovativen technologischen Ans?tzen verbindet. Die Fortsetzung ihrer Arbeit an der Humboldt-Universit?t wird Berlins international ausgewiesene Forschung im Bereich der integrativen und designorientierten Lebenswissenschaften ma?geblich st?rken.“
Durch die F?rderung einer Einstein-Professur unterstützt die Einstein Stiftung die Berliner Universit?ten und die Charité in ihren Berufungs- oder Bleibeverhandlungen. Auf Antrag k?nnen deren Angebote verst?rkt werden, um so den Ausschlag zu geben, dass Spitzenwissenschaftler*innen nach Berlin kommen oder in Berlin verbleiben.
Bakterielle Infektionsmechanismen: Forschung mit der Hebrew University of Jerusalem
Viele krankmachende Bakterien nutzen winzige Nanomaschinen, die Typ-III-Sekretionssysteme (T3SS), um Proteine direkt in Wirtszellen einzuschleusen. Wie Bakterien dabei die richtigen Proteine schnell und pr?zise liefern, ist bislang kaum verstanden. Das Projekt ?Spatial Targeting of Secretion Substrate mRNAs to Type III Secretion Systems in Gram-Negative Pathogens“ von Prof. Dr. Marc Erhardt von der Humboldt-Universit?t zu Berlin und Professorin Orna Amster-Choder von der der Hebrew University of Jerusalem (HUJI) untersucht nun, ob die mRNA dieser Proteine gezielt zu den T3SS transportiert wird und so eine schnelle Sekretion erm?glicht. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich mRNA in lokalen Clustern nahe den T3SS ansammelt, um die Proteine bei Bedarf vor Ort zu produzieren. Ziel des Projekts ist es, die genauen Signale in der mRNA und die bakteriellen Faktoren zu identifizieren, die eine gezielte Lokalisierung steuern k?nnten. Das Verst?ndnis dieses m?glichen Mechanismus k?nnte nicht nur Einblicke in bakterielle Infektionsverl?ufe, sondern auch neue Ans?tze für antimikrobielle Therapien liefern – etwa Infektionen zu blockieren, ohne die Bakterien abzut?ten und so die Entstehung von Antibiotikaresistenzen zu bek?mpfen.
Einstein Postdoctoral Grant
Dr. Philipp Popp, Gruppenleiter bei Prof. Dr. Marc Erhardt am Institut für Biologie der Humboldt-Universit?t zu Berlin, wird in seinem Projekt BacDefiant eine Arbeitsgruppe etablieren, um zu untersuchen, wie Bakterien ihre Abwehrsysteme gegen Bakteriophagen (Phagen) koordinieren. Mit modernster Mikroskopie und Mikrofluidik werden einzelne Zellen in Echtzeit verfolgt, um zu entschlüsseln, wann und wie verschiedene Verteidigungsmechanismen zusammenwirken. Das Projekt verbindet Mikrobiologie, Live-Cell-Imaging und synthetische Biologie, um Bakterien-Phagen-Interaktionen auf Einzelzellebene zu verstehen. Die Ergebnisse k?nnten ein detailliertes Bild der bakteriellen Immunit?t liefern und unser Verst?ndnis der Faktoren verbessern, die den Erfolg phagenbasierter Behandlungsans?tze beeinflussen k?nnten.
Einstein Center for Early Disease Interception
Das Einstein Center for Early Disease Interception (EC-EDI) hat sich zum Ziel gesetzt, Krankheiten bereits im Frühstadium zu erkennen und zu bek?mpfen, wenn nur einzelne ver?nderte Zellen im K?rper vorhanden sind und sich noch keine Symptome zeigen. Es baut auf einer zweij?hrigen Vormodulphase auf, in der das innovative Forschungsfeld der zellbasierten Pr?ventionsmedizin gef?rdert wurde. Mit seiner Vollf?rderung über die n?chsten sechs Jahre mit einem Gesamtf?rdervolumen von sechs Millionen Euro wird das institutionenübergreifende Zentrum den Schwerpunkt auf die beschleunigte Entwicklung, Integration und Anwendung neuer Schlüsseltechnologien legen. Dazu z?hlen Methoden der Einzelzell-Multiomik und r?umlichen Biologie, hochentwickelte pr?klinische Patient*innenmodelle sowie l?sungsorientierte Ans?tze auf Basis Künstlicher Intelligenz, um Krankheiten m?glichst frühzeitig zu diagnostizieren und noch vor dem Auftreten von bemerkbaren Symptomen gezielt zu behandeln.
